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Vinylboden und Klickvinyl: Kleben vs. Klicken – (k) eine Glaubensfrage

Eine Frage spaltet die Heimwerker-Nation wie kaum eine andere:

  • Wie sollten Vinylböden, aber auch Laminat und Co am Besten verlegt werden?

Die „Kontrahenten“: Auf der einen Seite die klebende Verlegung – seit Jahrzehnten bewährt und von zahlreichen Handwerkergenerationen erfolgreich umgesetzt; nachhaltig und unverrückbar. Auch der anderen Seite die schwimmende Verlegung, auch als Klicksystem bekannt – innovativ, simpel, frisch und modern sowie vorzugsweise von Hobby-Heimwerkern bevorzugt.

Die Geister scheiden sich. Persönliche Ansichtssache, könnte man meinen. Doch wir begeben uns auf die Suche nach objektiven Fakten und Gründen:

  • Was spricht fürs Klicken, was fürs Kleben?

Die allermeisten der gerade modernen Vinylböden gibt es als Klick- und Klebevariante.

Daher ist meist guter Rat teuer, wenn es im Fachgeschäft für Böden oder im Baumarkt plötzlich heißt:

  • Wollen Sie Ihren Boden kleben oder als Klickvinyl?

Die Frage:

  • Was ist die passende Verlegetechnik für mich?

Die Verklebung wird oftmals als Lösung für erfahrene Profis und Fachbetriebe angepriesen, Vinyl mit Klicksystemen als ideal für en boomenden Do-it-yourself (DIY)-Markt, passenderweise stark nachgefragt in Boden-Discountern und Baumärkten. Aber das kann nicht alles sein – und vor allem sollte das kein alleiniges Entscheidungskriterium darstellen.

Blicken wir einmal auf weitere Faktoren.

 

Faktor: Schwierigkeitsgrad der Vinylboden-Verlegung

Hier befindet man sich direkt an einem der Kernargumente.

  • Welche Verlegetechnik ist auch für ungeübte Heimwerker ein „Kinderspiel“?

Bei der klebenden Variante unterscheidet man zunächst zwischen selbstklebendem Bodenbelag (die Planken sind auf der Rückseite bereits mit einer Art doppelseitigem Klebeband versehen – es gilt, eine Schutzfolie abzuziehen und zu verlegen) und einem Fußboden, bei dem Kleber extra aufgetragen wird. Dies ist weitaus komplexer: Mit Hilfe eines Zahnspachtels wird Dispersionsklebstoff aufgetragen, dann muss alles ablüften und schließlich ins sog. Kleberbett eingelegt.

  • Doch wieviel Kleber trägt man auf?

Dies allein kann schon je nach Klebstoffart und Rezeptur changieren. Immer besteht das Risiko, dass überschüssiger Klebstoff am Ende aus den Fugen quillt und die gefürchteten Leimschlieren an nagelneuen Bodenbelag bewirkt.

Weiteres Problem:

  • Korrekturen sind nur schwer möglich. Klebt der Fußboden einmal, dann klebt er.

Vorteil:

  • Die Bildung von Fugen und ein Verrutschen des Bodenbelags sind nahezu ausgeschlossen.

Das Klickvinyl vereint die Vorteile, schließt die Nachteile aber sozusagen aus: Das simple Verklicken von Feder und Nut macht es auch Laien einfach. Zudem besteht die Gewissheit, dass man im Zweifelsfall bei Problemen einfach „korrigieren“ kann. Gerade diese Einfachheit der Verlegung erklärt die große Beliebtheit bei Heimwerkern in ganz Deutschland.

Fazit: 1:0 für das Klicksystem!

 

Faktor: Welche Werkzeuge werden benötigt?

Wer nicht unbedingt Bodenleger von Beruf ist, wird sich immer fragen:

  • Was benötige ich eigentlich als Equipment für das Verlegen, welche Utensilien und Werkzeuge werden benötigt?

Einerseits eine mitunter nicht unbeträchtliche Kostenfrage.

Andererseits auch eine Frage des Umgangs:

  • kann ich das in Eigenregie?

Bei Klickvinyl könnte es im Grunde nicht einfacher sein:

  • Man benötigt lediglich ein handelsübliches Cuttermesser, vielleicht noch einen Gummihammer, und einen Zollstock. Entweder werden die Bodenbeläge Planken im Ganzen verlegt, oder eben kurz mittels des Messers angeritzt und mit einfachem Abbrechen gekürzt. Mit dem Zollstock misst man selbstverständlich benötigte Plankenlängen aus. Den Rest besorgen immer ausgeklügeltere, innovative, praktische und einfache Klick- und Verriegelungssysteme. Das Ganze funktioniert wie ein großes Puzzle.

Beim Kleben kann es da schon komplexer werden:

  • Kleber muss mitunter angerührt, dann mit einem Zahnspachtel aufgetragen werden. Nach der Klebung ist der Bodenbelag dann zusätzlich mit einer möglichst schweren Gliederwalze anzuwalzen. Das Zuschneiden der Planken fällt natürlich ebenfalls nicht weg.

Ergebnis: 2:0 Klickvinyl!

 

Faktor: Mietwohnung oder Eigentum – wo wird der neue Boden aus Vinyl verlegt?

Nichts ist für die Ewigkeit“, lautet eine vielzitierte Weisheit.

Bei verklebtem Vinylboden kann man zwar auch sicherlich nicht von einer „Ewigkeit“ sprechen, doch bei Themen wie „nachhaltig“ und „dauerhaft“ läuft alles auf einen fest verklebten Boden hinaus. Und zwar im positiven wie negativen.

Ist der Boden erst einmal klebend verlegt, kann er NICHT ohne weiteres wieder entfernt werden. Für Mietwohnungen sicherlich ein No-Go, denn gemeinhin steht hier nach einigen Jahren letztlich doch wieder ein Umzug an. Und damit das Muss, die Wohnung zurück in den Ursprungszustand zu versetzen.

Der „Zurück-Bau“ sollte von Vornherein „mitgedacht“ werden. Auch wer gerne öfter einmal etwas Neues haben möchte, den ständigen Stil- und Optikwechsel seiner Designböden liebt, kann hier sicherlich eher auf Klicksysteme / Klickvinyl setzen.

Ein Vorteil auch, wenn einmal einzelne Paneele / Planken ausgetauscht werden müssen.

Theoretisch kann man mittels Klicksystemen bei einem Auszug sogar den gesamten Boden „mitnehmen“ und im neuen Heim erneut verlegen. Dies ist natürlich nur Theorie, denn Raumgrößen und -besonderheiten (Ecken, Winkel…) werden in den allermeisten Fällen niemals deckungsgleich sein.

Ganz klar: 3:0!

 

Faktor: Aufbauhöhe des Bodens mit Klick und ohne

Für Klickvinyl ist zumeist eine Trittschalldämmung / Dämmunterlage unausweichlich.

Sie sorgt für festeren Halt, für eine bessere Akustik, ein gutes Laufgefühl, aber vor allem auch für das Ausgleichen von etwaigen Unebenheiten im Untergrund.

Nachteil:

  • Diese Dämmung bringt natürlich eine gewisse „Dicke“ mit sich, die sich direkt in der gesamten Aufbauhöhe des Bodens niederschlägt. Wer hier auf eine möglichst niedrige Höge Wert legt oder sogar angewiesen ist, fährt mitunter besser mit der klebenden Verlegung, die deutlich weniger „dick“ ist.

Diesmal: Unentschieden – 4:1

 

Faktor: Vinyl mit Klick – Geeignet für Renovierungsarbeiten?

Einen neuen Boden verlegt man nicht nur, wenn man neu einzieht, sondern vielleicht auch einmal nach einigen Jahren des Wohnens in Haus oder Wohnung.

Der Unterschied:

  • Bei einem Neu-Einzug gleicht die Wohnung ohnehin einer kleinen, mittleren oder gar großen Baustelle. Wenn alte Böden herausgerissen werden, Lärm und Schmutz entstehen – kein Problem. Wenn man aber bereits im Zuhause wohnt, sollten derlei Einflüsse merklich zurückgefahren werden.
  • Besonders beliebt: Einen neuen Boden AUF den alten verlegen, zum Beispiel auf Fliesen oder Parkett, Laminat oder einfaches PVC.
  • Aber geht das überhaupt mit klebender, geht es mit schwimmender Klick-Verlegung?
  • Und was geht besser?
  • Hier ist das Klickvinyl klar im Vorsprung: Durch die Dämmunterlage, die zum Beispiel einfach auf alten Fliesengrund ausgelegt werden kann, gibt es nahezu keine Beschränkungen. Kleber würde nicht unbedingt auf allen Untergründen haften, zumindest nicht ideal.

Ergebnis: Vorteil: Klickvinyl – 5:1

 

Faktor: Zeit – ist Geld, auch beim Vinylböden verlegen

Ein jeder kennt es von allem Möglichen, das man zusammenklebt:

  • Kleber muss anhaften, muss trocknen. Dies ist nicht anders beim Boden verlegen, hier sogar in weitaus beträchtlicherem Ausmaß, da Kleber großflächig aufgetragen werden muss. Es gilt gemeinhin die Faustregel:
  • Bei klebenden Böden ist an sofortiges Betreten oder gar Belasten (Möbel aufstellen etc.) nicht zu denken. Wenn es also einmal schnell gehen muss, ein Vinylboden vielleicht „kurz vor knapp“, zum Beispiel vor einem Umzug, erst verlegt werden kann, dann kann es nur eines geben:
  • Verzicht auf Klebstoff und Entscheidung für Klickvinyl. Nach der schwimmenden Verlegung ist die sofortige Belastung kein Problem – theoretisch könnte man gar einen Step-Tanz wagen. Die Verlegezeit verringert sich deutlich, etwaige Zwangspausen entfallen.

Keine Frage: 6:1!

 

Faktor: Fußbodenheizung und Bodenbeläge

Ob dies ein Faktor ist, darüber streiten sich die Geister. Einerseits soll wiederum die geringere Aufbauhöhe bei der klebenden Verlegung von Vorteil sein.

Die Formel:

  • geringe Aufbauhöhe des Bodenbelags = direktere Wärmeübertragung.

Andererseits:

  • Immer mehr Anbieter von Vinylböden werben offensiv damit, dass diese auch mittels Klicksystem bestens geeignet sind für Fußbodenheizungen aller Art. Der Grund sind einerseits ausgeklügelte Techniken der Wärmeleitfähigkeiten, anderseits werden auch die Vinylplanken selbst immer dünner und beschränken sich auf 2, 3 oder maximal 5 mm Aufbauhöhe.

Ergebnis: Unentschieden: 7:2

 

Faktor: Vorbereitungen vor dem Verlegen der Vinylböden

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Das gilt auch beim Boden verlegen.

  • Doch wie aufwändig sind diese bei klebender und bei klickender Verlegung?

Das wichtigste Augenmerk bei beiden sollte sich auf den Bodenuntergrund richten.

Und hier ist auch sogleich der entscheidende Unterschied:

  • Während bei Klick Vinyl durch die dicke Dämmunterlage Unebenheiten und auch Verschmutzungen eher ausgeglichen werden können, ist bei Klebevinyl allerhöchste Vorsicht geboten: Denn der Kleber haftet nur, wenn der Untergrund optimal eben und reinlich sauber ist.

Fazit hier: Punkt fürs Klicken mit Vinyl – 8:2!

 

Faktor: Gesundheit eines Vinylbodens – Verlegeart mitentscheidend

Gesundes Wohnklima ist heutzutage einer DER Trendbegriffe schlechthin. Themen sind natürlich Materialien, wie Holz, statt der Vielzahl synthetischer Stoffe.

Gerade der Boden steht dabei immer wieder im Mittelpunkt, vor allem, wenn es um Vinyl geht. Das Kernmaterial „PVC“ war in den 80er und 90er-Jahren geradezu verschrien und als gesundheitsgefährdend eingestuft, da es die sog. „Weichmacher“ enthielt, chemische Zusätze in Reinform.

Heutzutage jedoch sind diese längst durch neutrale Elemente ersetzt worden – und PVC feiert als Vinylboden eine große Renaissance.

Dennoch spielt das Thema „Gesundheit“ / gesundes Wohnen auch bei Vinylböden von heute eine Rolle – nämlich beim Thema der Verlegung. Für klebendes Verlegen wird (logischerweise!) Klebstoff verwendet. Klebstoffe enthalten gemeinhin Lösungsmittel – ein rotes Tuch für gesundheitsbewusste Mieter und Eigentümer in Wohnungen und Häusern, können Lösungsmittel doch mit der Zeit verdunsten bzw. „ausgasen“ und somit in die (Atem-) Luft freigesetzt werden. Oftmals wird bei neu verlegten, klebenden Bodenbelägen deshalb von einer Geruchsbelastung berichtet.

Die Lösemitteldämpfe im Jahr 2015 sind zwar, wenn sie überhaupt noch austreten, minimal konzentriert. Auch gibt es zunehmend emissionsarme oder sogar gänzlich lösungsmittelfreie Dispersionsklebstoffe. Dennoch sehen viele nach wie vor Bodenklebstoffe und die klebende Verlegung kritisch an.

 

Mit gutem Willen – Unentschieden, Zwischenstand: 8:3

Und dies ist auch der Endstand.

Am Ende ein klares 8 zu 3 und damit ein JA für Klickvinyl bzw. Vinylböden mit Klicksystem.

Die klebende Verlegung wird dennoch nicht aussterben:

  • Professionell von Fachbetrieben umgesetzt und für das Eigenheim, keine Frage. Doch für die Hochkonjunktur der DIY-Heimwerker wird „Klicken statt Kleben“ bei Vinyl die Devise sein und weiterhin bleiben.







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